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Chiropraktik/Osteopathie

Rund um das Kniegelenk

Das Kniegelenk ist sowohl ein einfaches und recht überschaubares Gelenk als auch durch verschiedene Hebelkräfte ein komplexes Scharniergelenk, zwischen zwei sehr beweglichen Gelenksnachbarn, Hüftgelenk u. Fußgelenk, positioniert.

Das Kniegelenk

Die anatomische Kompaktheit des Kniegelenks verrät schon, welche immense Krafteinwirkung die breiten Knochen, die mit 7 mm dickste Knorpelschicht, das vordere u. hintere Kreuzband, die hufeisenförmigen Menisci und vorallem die 14 Muskel- und die beiden Seitenbandstrukturen als Bewegungskraft und Sicherungsfunktion das Kniegelenks stabilisieren. Den strukturellen Veränderung gehen meist die funktionellen Störungen voraus. Wenn die Hebelkraft des Kniegelenks durch Über- aber auch Unterfunktion der zuständigen Muskulatur und Bandapparate nicht korrekt abgestimmt ist, so ergibt dies in absehbarer Zeit Störungen im Gelenksbereich, je nach Konstitution, Stoffwechsellage (Übersäuerung stört die Knorpelzusammensetzung), Haltungszustand, Gefäßversorgung und nervalem Einfluß.

Man unterscheidet akute und chronische Kniegelenkserkrankungen, lokale Ursachen von Übertragungsschmerzen, rheumatoide von pseudorheumatischen Zuständen.

  • Traumatische Kniegelenksbeschwerden sind relativ leicht durch Kernspin, Röntgenaufnahmen und evtl. Gelenkpunktat (Fraktur / Bandriß) zu diagnostizieren.
  • Akute Gelenksbeschwerden zeigen sich allgemein mit Schwellung, Erwärmung um das Gelenksareal, deutl. Belastungseinbußen mit Bewegungseinschränkung (manchmal auch Ruheschmerz) und labordiagnostische Unregelmäßgkeiten (Kreuzband-, Meniskusriß, Kapselentzündung–, Synovialitis-, Retropatellararthrose, aktivierte Gonarthrose u. häufig übersehenes Plica-Syndrom).
  • Lokale Störungen des Kniegelenks werden vorrangig von Innenmeniskusriß, Kreuzbandanriß, Knorpelschaden des Kniegelenks an den Femurcondylen und Kniescheibenrückfläche (Arthrosen), Kapselreizung nähe Meniskushinterhorn und am Innenband, sowie Knochenschäden am Schienbeinkopf verursacht.
  • Fehlbelastungen durch Beinlängendifferenz, Schonhaltung und Haltungsfehler, Störungen der Nachbargelenke (Fuß- und Hüftgelenk) Muskelüberlastungen vom Oberschenkel und Wadenberich ausgehend, stören das harmonische Gleichgewicht im Knie.
  • Übertragungsschmerzen kommen meist durch nervale Störungen der Darmregion über den Nv. Femoralis zum Nv. Saphenus an die Innenseite des Kniegelenks (können dem Meniskusschmerz täuschend ähnlich sein !), oder über die bewährte Rückenpartie mittels Ischiasnerv zum hinteren Kniegelenk.

Jedoch strahlen knöcherne Affektionen an der Tibiakante (Tibiakantensyndrom / shin splint) durch stetige inadequate Belastungen der Fußregion ebenso in die Kniegelenksregion ein wie Fascienfasern aus dem Oberschenkel.

Erkrankungsfolgen werden mangels ausreichender biomechanischer Kentnisse und Verniedlichungen übersehen oder fehlinterpretiert – mit fatalen chirurgischen Folgen.

  • So bewirkt eine Großzehenachsenabweichung nach außen ( Hallux valgus) bei der Abstoßungsphase eine Pronationsstellung des Fußes ( Innenkippung) mit reaktiver Überlastung des medialen Kompartements d. Unterschenkels und eine reaktive Kompression des Tibialisnervs sowie der inneren Wadenmuskulatur. Kompensatorisch wirkt sich dies auf die innere Kniebeugergruppe aus, die widerum durch ihre vorgegebenen anatomischen Strukuren die Hebelmechanik zuungunsten der Innenseite des Kniegelenks verändert - mit absehbaren arthrotischen Folgen.
  • Unsachgemäße Schuheinlagen bewirken durch biomechanische Veränderungen des Unterschenkels genau das Gegenteil der beabsichtigten Entlastung.
  • Medikamente erzielen mittel- bis langfristig das Gegenteil der Heilung,
    sodaß die Schmerzmittel zwar die „Alarmanlage“ Schmerz ausschalten können, jedoch die natürliche Schmerzschwelle nicht erkannt wird und man die Quittung postwendend nach Wirkungsende serviert bekommt.
    Höhere Dosierung = mehr Nebenwirkung!
  • Schleimbeutelreizungen sind immer Ausdruck einer Fehlbelastung am örtlichen Geschehen, also nur als Reaktionszustand zu werten.
    Jede therapeutische Lokalanwendung ist zum Scheitern verurteilt.
  • Kniegelenksinfektionen kommen nicht allzu selten vor.
    Vorrangig denkt man an Borreliose, Steptokokken, Lyme Erkrankung, folgen an intraartikuläre Injektionen (mangelndes hygienisches Vorgehen). Überlastungsreaktionen des Kniegelenks werden zum Großteil von unangepasster sportlicher Beinarbeit hervorgerufen. ( falsch eingestelltes Trainingsgerät, ungeeignetes Schuhwerk, psychische u. physische Selbstüberschätzung).

Entscheidend für den optimalen Therapieerfolg am Kniegelenk
ist die mechanische Ausrichtung und Koordination von Muskel-, Sehnen-, Fascienfasern in Bezug auf die funktionelle Beweglichkeit des Gelenks.

Die Funktion ist wichtiger als die Symmetrie und die Gelenkstellung.
Blutzufuhr und Blutabfluß verbessern sich deutlich, Entzündungsstoffe werden durch störungsfreien Lymphfluß besser abtransportiert (siehe Lymphdrainage nach Emil Vodder), die stoffwechselregulierenden Eigenschaften können nun zusätzlich neben der manuellen Funktionsausrichtung den Heilungsvorgang am Kniegelenk voranbringen.

Darin liegt der wesentliche osteopathisch-, chiropraktische Therapieunterschied zur chirurgisch orientierter Orthopädie.

Originalskript
Luis Weiss